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Kündigung – macht ein letztes Gespräch noch Sinn?

Viele vergleichen den Arbeitsplatz mit einer Art von Beziehung. Zugegeben, ein bisschen was ist dran. Der Zauber am Anfang, wenn alles neu ist, die Gewohnheitsphase, in der viel vertraut und eingespielt ist. Und dann, naja, dann auch manchmal der erste Streit, dann der zweite und dritte.

Im schlimmsten Fall kommt es zur Wertlosigkeit, Rückzug, mindestens einer, der die Beziehung unweigerlich in Frage stellt; „unüberbrückbare Indifferenzen“.

Und wie in Beziehungen auch, macht es manchmal Sinn, sich zu trennen, bevor ernsthafter Schaden entsteht. Schreiben für die Kündigung verfasst und abgegeben.

Und was jetzt?

Im Beruf wie in Beziehungen gilt: man sieht sich immer zweimal im Leben. Manchmal muss ein schneller Cut her. Oft lässt sich aber auch ein friedliches Auseinandergehen noch arrangieren. Dies erfordert von beiden Parteien einen erwachsenen Umgang mit Gefühlen, ist aber im Endeffekt die sinnvollere Variante.

Warum?

In meiner Arbeit als Personalerin habe ich öfter als gewollt die Situation erlebt, dass der Arbeitgeber völlig unerwartet unprofessionell auf eine Kündigung reagierte. Man möchte doch meinen, es würde sich eher andersherum verhalten: aufgewühlte Gefühle und unfaires Verhalten des Mitarbeitenden, der geht.

Aber das kommt eigentlich nicht so oft vor, wie man denkt. Der Prozess des Loslassens ist meist schon abgeschlossen, eine Entscheidung ist gefällt, die Kündigung und die Zeit danach sind eben die dazugehörige Pflicht. (Lies dazu auch meinen Artikel zum Thema „Stille Kündigung“). Jetzt gilt es, die Sache ordentlich abzuschließen. Gemeinsam.

Kündigung - Figur verlässt in Gegenrichtung Reihe von gleichartigen Holzfigurn, im Sprung, blauer Hintergrund
„Gegen alle Zäune und Mauern kann der reine Wille überdauern!“

Zur Frage nun, ob ein letztes Gespräch noch Sinn macht, wo der Mitarbeitende doch sowieso geht, heißt es also entschieden: Ja!

Und wie?

Auch wenn sich manchmal die Gelegenheit durch lange Abwesenheit, einen Rechtsstreit oder sonstige Gründe nicht ergibt, sollte im Regelfall ein Abschlussgespräch Ziel sein.

Am besten wird das Gespräch so geplant, dass es eine Zeit nach der Kündigung und in der Übergabephase geschieht. So ist der erste Schock verflogen, der Mitarbeitende ist entspannt, freut sich auf die  neue Aufgabe und ist freier in seiner Rede zu den Umständen des  Weggangs.

Und warum genau sollte das Unternehmen repräsantive die Teamleitung jetzt nochmal Zeit aufwenden für einen Kollegen, der sowieso bald weg ist? Ganz einfach! Improvement!

Kündigung - Puzzle weiß auf hellblauem Grund, eine Hand legt das letzte Teil mit einer Glückbirne dazu
Verbesserungsvorschläge sollten nicht erst beim Kündigungsgespräch gefragt sein – auch ein gutes Vorschlagswesen innerhalb der Organisation liefert wichtige Hinweise!

Mit den Jahren schleichen sich Routinen ein, was das Arbeiten erleichtert. Manche der Arbeitsweisen, Umstände oder Routinen sind aber vielleicht vom Weg abgekommen oder aus der Zeit gefallen. Ein Gespräch mit jemanden „der nichts mehr zu verlieren hat“, kann ein wahrer Goldschatz für die Entwicklung eines Teams sein.

Wo harkte es? Woran stören sich die Mitarbeitenden? Zu wenig Flexibilität? Zu altmodisches Equipment? Zu viele Versprechungen und zu wenig Gehalt? Was es auch immer ist, wer nicht fragt, bekommt auch keine Antworten!

Was kann da schon schiefgehen?!

Die Angst vor Veränderungen ist unbegründet, alle Unternehmen können derzeit froh sein, solche wichtigen Hinweise zu bekommen – auch wenn bei einer Kündigung das sprichwörtliche Kind bereits in den Brunnen gefallen ist.

Die Coronapandemie hat die Arbeitswelt ziemlich umgekrempelt, und das in einem Affentempo! Firmen, egal ob groß oder klein, müssen den Kloß einer Kündigung schlucken, persönliche Gefühle hintenanstellen und das Beste aus der Situation herausholen.

Menschen haben die unterschiedlichsten Lebenswege, sie sind nicht Eigentum des Unternehmens, beleidigt zu reagieren, ist nicht angebracht.

Ende gut…

Und der Effekt geht sogar noch weiter: wie würde es sich für dich anfühlen, wenn man dich um ehrliches Feedback bittet, sich Zeit nimmt, obwohl die Situation nicht gerade zu den angenehmsten gehört?

Du würdest dich vermutlich ernst genommen fühlen in deiner Entscheidung und das “glückliche” Ende in deine neue Arbeitsstelle mitnehmen. Sauberer Abschluss, die Vergangenheit kann ruhen, etwas Neues beginnt ohne Altlasten.

Und nachtreten seitens des Unternehmens ist natürlich tabu! Leider kenne ich zu viele Storys über z.B. einbehaltene Überstundenzahlungen, dass Zeugnisse nicht rausgerückt werden oder ähnliche Schikanen. Ihr wisst leider sicher, was ich meine.

Ein schlechter Ruf spricht sich in jeder Branche schnell rum und das momentan bei der Personallage zu riskieren, ist fahrlässig.

Kündigung goldenes Band+Schere auf schwarzmattem Untergrund
Das Band nicht ganz abschneiden bringt beiden Parteien Vorteile

Toxic!

Und wenn Kolleginnen und Kollegen „die Flucht ergreifen“, weil eine Arbeitsstelle einfach unerträglich geworden ist? Der Chef ein Sexist, der Workload seit Jahren zu viel, keine Entlassungen, zu viel Druck…?

In einem vergifteten Arbeitsumfeld, wo Menschen Nummern und reine Leistungsbringer:innen sind, würde es mich sehr wundern, wenn du hier nach deiner Kündigung zu einem Abschlussgespräch eingeladen wirst.

Das wäre nicht sehr glaubhaft und Unternehmen wollen die Wahrheit über den „Gestank im Schweinestall“ meist nicht hören, sonst müssten sie ja mal ausmisten. Hier kann man nur Abwinken und froh sein, wenn man den Absprung geschafft hat.

Fazit

Ein Abschlussgespräch ist für alle Beteiligten eine gute Gelegenheit, nochmal Wertschätzung füreinander auszudrücken, auf Probleme hinzuweisen und fair auseinanderzugehen. Ein Mensch, der sich im Guten trennt, denkt gerne zurück.

Und manchmal kommt er auch wieder zurück! In meiner derzeitigen Firma haben wir fast jedes Jahr mindestens einen „Rückkehrer“, also passiert gar nicht so selten. In Beziehungen zu investieren, lohnt sich meines Erachtens immer.

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