Warum meine Mutter Human Resource hasst!
Human Resource - schon assimiliert?

Warum meine Mutter Human Resource hasst!

Human Resource = Personalarbeit

Meine Eltern sind ganz normale Leute in normalen Verhältnissen. Sie sind weder ungebildet noch Akademiker, ihre Erziehung war immer geprägt von Respekt, Liberalismus und Vertrauen. Sie sind selber ihr Leben lang im Büro. Teilweise Jahrzehnte im gleichen Job. Mit einer Abteilung namens Human Resource hatten sie allerdings noch nicht zu tun.

Human what…?

Umso überraschter war ich natürlich, als wir letztens ein Gespräch führen und ich was von „Human Resource“ erzählte. Meine Mutter fragte, mich was dieses Human Resource nochmal sei und dann etwas angesäuert sagte, wie schrecklich sie diesen Begriff findet. Fast so, als hätte ich etwas unanständiges gesagt.

Nachgefragt!

Nach etwas nachbohren stellte sich heraus, sie stolpern über das Wort Ressource in Human Resource. Eine menschliche Quelle! So was geht ja gar nicht! Wie seelenlose Wesen, die gerade gut genug sind, Arbeit für einen großen Imperialen zu tun der ihre leeren Hüllen danach zum Restmüll bringt. Wie im Waffenmagazin – zack, leere Hülse raus -zack, neuer Mensch rein, im Dauerfeuer.

Quellen

Zugegeben, nicht alle Menschen auf der Welt haben so gesegnete Arbeitsgesetze wie wir hier in Deutschland. Sicher habe ich den ein- oder anderen Arbeitsplatz in einem Teil der Welt gerade haarklein beschrieben. Nichtsdestotrotz wird hier eine Gleichsetzung mit Ressource zum englischen Resource dem natürlich nicht gerecht.

Ursprungssuche

Eigentlich hätte ich ja fast ein bisschen beleidigt sein soll aufgrund der Tatsache, dass ich nun schon einige Jahre im Personalbereich auf dem Buckel habe und wir uns erst jetzt über den Begriff Human Resource und dessen Bedeutung unterhalten. Kurz überkam mich das Gefühl, dass meine Eltern keinen Plan haben, was ich eigentlich arbeite. Und da bin ich sicher nicht die Einzige. Den Ruf von moderner Personalarbeit zu verteidigen als Verfechterin einer besseren und glücklicheren Arbeitswelt ist für mich natürlich obligatorisch.

Zum besseren Verständnis

Ehrlicherweise muss man dazu sagen, dass meine Eltern echte Trekis sind und heute immer noch regelmäßig die Abenteuer der Föderation der Planeten rauf und runter kucken. So wie ich übrigens.

Was ist hier eigentlich los?

Wir kamen also auf folgendes Szenario: irgendwie kommen ihnen bei dem diskutierten Begriff Bilder der Borg-Königin in den Sinn und ihre Augen werden panisch bei dem Gedanken, die Assimilierung von hirntoten Robotern, die einem Kollektiv beiwohnen und von einer einzigen Intelligenz gesteuert werden, könnte war werden, wenn man Human Resource drei mal laut vor dem Spiegel ausspricht.

So sehr ich das Gedankenspiel auch schätze, wann und wie es wohl bei uns so weit sein wird – und wer schon assimiliert sein könnte – konzentriere ich mich doch auf meine Bemühungen, die alten Bilder zu überschreiben.

Schönheit und Schmerz der Begrifflichkeiten

Human Resource lässt sich im deutschen mit Humankapital übersetzen. Zugegeben, das macht es erst mal nicht besser, eine große Hilfe sind ja deutsche Begriffe eher selten, wenn man eine emotionale Bindung zu einem Fachgebiet aufnehmen soll. Die Amerikaner können das besser, sie haben oft das gewisse „happy“ in ihren Begriffen, und das mag ich!

Aber zurück zum Humankapital. Dieses bezeichnet in der Wirtschaftswissenschaft die „personengebundenen Wissensbestandteile in den Köpfen der Mitarbeiter“ (lt. Wikipedia).

Mehr human als resource

So, das hört sich doch nun schon viel menschlicher an, mehr human als resource. Weiter heißt es, dass Humankapital als eine Investition in die Bildung betrachtet wird und ebenso ein Produktionsfaktor ist, wie physisches Kapital. Synonyme sind Human Capital und umgangssprachlich die Manpower. Soll heißten, jeder ist ein Teil des großen Ganzen mit dem, was er zur Erledigung der notwendigen Arbeit mitbringt. Jede und jeder einzelne Mitarbeiter macht durch seinen Anteil am Ganzen den Erfolg des Unternehmens mit aus. (Schnellübersicht zu Human Resource Management hier).

Zukunft des Human Resource

Das klingt doch schon viel besser. Vielleicht drucke ich mal ein paar Handzettel, denn leider ist das noch nicht in alle Führungsetagen vorgedrungen. Aber ich sehe die neue Generation von Leadern schon sprießen, mit festen Wurzeln und festem Willen werden sie ganz anders fühlen und führen als ihre Eltern.

Why Denglisch?

Der Begriff sei also nun ausreichen erklärt, wenn auch für einen uneingeweihten auf den ersten Blick befremdlich wirkend. Es mag auch ein Fehlen der Berührungspunkte mit dem Begriff ausschlaggebend sein, schließlich betrachten die meisten Leuten die neuen denglischen Begriffe, die momentan alle die Runde machen doch eher mit Skepsis. Und das zu Recht, wie ich meine.

Jargon

Wer nicht selber was damit zu tun hat, kann sich da mittlerweile gar nicht mehr auskennen. Den ganzen Manager-von-dies und Managerin-von-das-Bullshit könnte man sich wirklich sparen. Es gibt aber ein paar Überbegriffe, die man sich im Moment eben noch merken muss. Schließlich sollte jeder besser der Signatur seiner Mail entnehmen können, ob man ins Büro von HR geladen ist oder zum CEO.

Gedanken zum Schluss

Abschließend ist zu sagen, dass ich die Diskussion nach der Veröffentlichung dieses Blogartikels wohl nochmal aufnehmen werde, um zu sehen, was verdaut wurde. Ich freue mich jetzt schon auf die Gesprächsrunde daheim und den Kaffee dazu. Was schöneres, als im Gespräch zu bleiben gibt es ja nicht. Das gilt beruflich und privat.

Und vielleicht schauen wir uns im Anschluss auch alle zusammen eine Folge Enterprise an. Captian Jean-Luc Picard habe ich sowieso seit längerem schon als exzellentes Paradebeispiel für eine moderne Führungskraft ausgemacht. Aber dazu vielleicht in einem anderen Blogbeitrag mehr.

Kennt ihr das auch, dass euer Beruf von anderen völlig anders wahrgenommen wird? Hinerlasst mir doch einen Kommentar, falls ja, würde mich brennend interessieren!

Wie komme ich ins HR-Management? Lies mehr bei „Über mich“!

Dieser Beitrag hat 5 Kommentare

  1. Toller Artikel. Da ich im Lean Management tätig bin, kenne ich diesen Begriff. Hier wurden sogar die klassischen 7 Verschwendungsarten um eine weitere, nämlich um das Wissen/Können der Mitarbeiter, ergänzt. Und das zeigt einfach wie wichtig das ist. Auch in der Welt der Prozessoptimierung spielt das Wissen eine große Rolle, das unter keinen Umständen ungenutzt bleiben soll.
    LG Julia

    1. Ja, Leanmanagement finde ich auch total spannend. Man möchte ja meinen, da sei selbstverständlich, aber man muss es wirklich erst mal lernen, seine Prozesse kurz&knackig zu halten. Danke für dein Feedback, Julia!

  2. Wenn ich mir die Mutter, die oben beschrieben wird, vor meinem inneren Auge vorstelle, sehe ich eine ältere, etwas konservative Frau in einer Küchenschürze, die zu ihrem Mann sagt: Gell Papa, wir denken da gleich. Papa trägt Filzpantoffel.

    Nun zur Realität: Ich bin diese Mutter, bin 58 Jahre jung, berufstätig, tätowiert, gepierct und ziemlich modern.
    Ich nenne meinen Mann nicht Papa und er trägt keine Filzpantoffel. Und – ich habe keine Küchenschürze.

    Das Wort „Human Resources“ mag ich trotzdem nicht, weil die „einem Unternehmen zur Verfügung stehenden menschlichen Leistungspotentiale“ (Originalübersetzung) nichts mit Menschen aus Fleisch und Blut und einer Seele zu tun haben. Mein Gefühl sperrt sich da.

    Und – ich habe, glaube ich, schon verstanden, was du in der Arbeit machst liebe Jessica und wofür du stehst.

    Ich freue mich auf regen Austausch beim phantastischen Kaffee.

    1. OJEE, nein, alles gut, bloß keine Küchenschürze! Wollte dir nicht zu nahe tretten. Ich fand ja deine Meinung auch total spannend! So spannend, dass ich darüber schreiben wollte 🖤

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