verlingo/zeugnisprofi.com: Was taugt KI-gestützte Zeugnisübersetzung?

verlingo/zeugnisprofi.com: Was taugt KI-gestützte Zeugnisübersetzung?

*Der nachfolgende Artikel ist durch eine Kooperation mit verlingo zustanden gekommen, die mir freundlicherweise eine kostenlose Analyse zum Test von zeugnisprofi.com zur Verfügung gestellt haben.

KI im HR

Künstliche Intelligenz im Human Resource. Was in großen Unternehmen sowie agilen Startups bereits gang und gäbe ist, tut sich jetzt erst am Horizont vom Mittelstand auf.

Ich muss zugeben, dass ich in der Vergangenheit ebenfalls die Nase gerümpft habe über Software, die Personalarbeit machen soll.

Eine gruselige Vorstellung, wenn Computer mit dir das Vorstellungsgespräch führen sollen, oder? Wo doch mittlerweile die meisten Leute wissen, dass das Meiste in unserer Kommunikation nonverbal abläuft. Und Computer haben nonverbal so ihre Schwächen.

Future goes on – KI im Alltag

Du hast sicher so wie ich schon die ein oder andere Erfahrung gemacht mit KI. Meistens beantworten Bots deine sämtlichen Fragen zu einem Produkt, eine automatisierte Suchmaschine schlägt passende Themen zu deinen Problemen vor.

Auch wenn’s holpert, oft ist die Kommunikation in einer Hotline nicht weniger frustbefreit. Und wenn auch nur Teilbereiche abgedeckt werden, künstliche Intelligenz wird immer besser. Und immer beliebter. Auf dem Weg zur Digitalisierung ist sie jetzt schon ein starker Helfer.

Nice to know

Hier nur angerissen zwei kleine Beispiele, was künstliche Intelligenz bereits kann, z.B. wie KI von  der Stimme auf das Aussehen schließt oder wie Computersoftware Emotionen erkennt. Da geht was. Ob das nun Fluch oder Segen ist, wird sich wie immer zeigen.

In unserer von Technologie getragenen Zukunft werden die Fortschritte nun merklich immer schneller gehen. Und wir stehen noch am Anfang des Technologiezeitalter (lesenswerte Wiki-Beschreibung Digitale Revolution.

Zwei schwarze Roboterhände stricken blaue Wolle
KI kann auch im Personalwesen eine nützliche Stütze sein – wenn sie richtig eingesetzt wird (Bild: Stefan Dr. Schulz/pixabay)

On fire mit der Zukunft im HR

Jetzt bin ich ja Personalerin und habe die klassischen Arbeiten zu erledigen. Ich schreibe deinen Arbeitsvertrag, ich pflege deine Personalakte, ich kontrolliere deine Arbeitszeiten, erinnere dich an deine Atteste. Natürlich mit dem PC und teilweise auch schon digitalisiert.

Und was soll ich sagen: eine Personalsoftware, egal, für welche man sich entscheidet, ist ein Gewinn. Vor allem, wenn man vorher gar keine gehabt hat.

So wie ich. Also, was mich betrifft: I’m on fire. Auch wenn die Zeitersparnis weniger der Pluspunkt ist, ist eine Software einfach praktisch, wenn sie gesteuert und maßvoll eingesetzt wird. Sie hilft aufräumen, zuordnen, bearbeiten, teilen.

🚶‍♀️ Geh mit mir durch zeugnisprofi.com

Als ich also gefragt wurde, ob ich stellvertretend für andere Anwender mal den Zeugnisprofi ausprobieren will, war ich echt neugierig, was sich auf dem Gebiet bereits für Ideen entwickelt haben.

Im HR kenne ich sowohl den Anspruch an die professionelle Seite, bin selber aber auch Arbeitnehmerin. Ich mache also für dich den Test, wie brauchbar der Service ist.

zeugnisprofi.com der verlingo GmbH

Kurz zum Startup verlingo GmbH: Im Juni 2017 haben sich drei junge Gründer aus Hamburg und Hannover auf den Weg gemacht, die Arbeit für PersonalerInnen in Firmen leichter zu machen. Mit Experten im Gepäck wurde intelligente Software für den Einsatz im Bewerbungs- und Personalmanagement entwickelt.

Auch aber nicht nur für den privaten Einsatz wurde zeugnisprofi.com ins Leben gerufen. Die Zeugnisanalyse ermöglicht eine einfache Analyse per drag&drop deines Arbeitszeugnisses mit Übersetzung der Formulierungen. So sollst du einen Überblick über die Bewertungen, die darin enthalten sind lesbar vor Augen haben.

Erster Eindruck

Bevor ich also überlege, wem ich hier meine Daten anvertraue, schaue ich erstmal, wer mir seine Dienste anbietet. Die Website macht einen guten Eindruck, alle Standartbauteile einer Website sind übersichtlich dargestellt. Ich kann was „Über uns“ finden, was schon mal sympathisch ist.

Ein kurzer Blick auf die Datenschutz-Seite zeigt mir, dass es hier kein standardisiertes Formular gibt, sondern auf die datenschutzrelevanten Einzelheiten zum Produkt verständlich eingegangen wird. Auch die Speicherung auf deutschen Servern wirkt vertrauenserweckend.

Bei YouTube gibt es ein kurzes Erklärvideo, das ich mir zuerst anschaue. Ich mag Videos und falls es dir auch so geht, möchte ich es dir nicht vorenthalten:

Und auf geht’s durch die Website

Die Website verliert nicht viel Zeit und gleich im ersten Sichtfeld geht’s los. Die Seite ist insgesamt schlicht und intuitiv. Die mobile Ansicht ist ebenfalls übersichtlich.

Nach dem Klick „Zeugnis prüfen“ erfahre ich nochmal, was ich genau bekomme und wozu das wichtig ist. Als Personalerin stimme ich überein mit der Aussage, dass nicht mitgeschickte Zeugnisse echt nervig sind. Vor allem, wenn es eine hochfrequentierte Stelle ist oder nicht direkt um Bewerbung gebeten wurde.

Zur Sinnhaftigkeit von Arbeitszeugnissen kann man streiten. Muss man aber nicht. Lies dazu meine Ideen im Artikel Arbeitszeugnis – überschätztes Dokument mit sieben Siegeln.

Preise

Ganz unten finde ich dann die Preise. Die hätte ich mir schon weiter oben gewünscht, ich scrolle nicht gerne rum, um den Preis einer Dienstleitung zu finden.

Beim Lesen der Preisgestaltung fällt mir auf, dass die Dienst auch Vorschläge für bessere Sätze machen wird. Coole Idee! Du kannst also bei deinem Arbeitszeugnis eigene sinnvolle Vorschläge machen. In der Praxis wird es tatsächlich häufig den (Ex)Arbeitnehmern überlassen, ein Zeugnis zu erstellen. Diese Funktion gefällt mir und ich bin gespannt, wie das umgesetzt ist.

zeugnisprofi.com Screenshot Preise
Damit ihr nicht suchen müsst: die aktuellen Preise. Machen einen fairen Eindruck auf mich. Ich mag auch die Auswahl an Bezahlarten.

Beim angezeigten Beispiel habe ich so meine Probleme mit den Vorschlägen. Die Verbesserungsvorschläge sind inhaltlich das Gegenteil von dem Satz im Zeugnis. Das verwirrt mich, ich muss mal einen eigenen Test starten.

Login, Baby

Über den Login lege ich mir ein Benutzerkonto an. Das geht easy. Ich suche eines der Pakete aus und entscheide mich für drei Analysen. Für Privatpersonen ist das ausreichen erstmal.

Der Zeugnisupload wird freigeschalten. Ich nehme ein uraltes Zeugnis aus 2005 (ja, ich bin schon so alt, dass ich da bereits gearbeitet habe!). Ich wähle somit bewusst ein meiner Meinung nach relativ schlechtes Zeugnis aus.

Nicht, dass ich schlechte Arbeit gemacht hätte. Wie wir Reiners immer sagen „mit einem Reiner im Team hast du‘s gut“. Das war mein erstes Jahr nach der Lehre. Und mein Vorgesetzter war eher in der alten Arbeitswelt zuhause.

Feuer! Analyse starten

Ich ziehe voller Spannung mein abfotografiertes Zeugnis easy in den Upload-Bereich. „Analyse starten“. Unten sehe ich erst auf den zweiten Blick Hinweise zum Dokument. Egal. Hat geklappt. Jetzt noch einmal auf „Auswertung“ klicken…

Ok. Die Offenbarung der Inhalte ist schmerzhafter, als ich dachte.

Ich sehe rechts ein Ampelsystem mit den sechs Soll-Inhalten eins Arbeitszeugnisses. Fast die Hälfte fehlt bei meinem Testzeugnis. Es ist ein roter Punkt, ein gelber und zwei grüne und drei graue Punkte.

Bei der Erstellung 2005 wurde dann wohl scheinbar  von meinem Ex-Arbeitgeber nicht auf diese Soll-Inhalte eingegangen. Finde ich schon mal sehr hilfreich, das zu wissen. Mit einem Klick auf die Punkte werden mir die dazugehörigen Textstellen per Dropdown angezeigt.

verlingo zeugnisprofi Ausschnitt Ergebnis Analyse
Links das Zeugnis, rechts die Ampel der sechs Soll-Inhalte

Es folgen Auffälligkeiten, die gefunden wurden. Die Hinweise dort entsprechen tatsächlich den Inhalten des hochgeladenen Zeugnisses. Bzw. den fehlenden Passagen. Selber hätte ich das Zeugnis sicher nicht so exakt durchgescannt. Ein zweiter Reiter listet die Tätigkeiten auf, die erkannt wurden. Soweit alles da.

Kurzes Stottern

Allerdings verstehe ich nicht überall, was konkret zu tun ist. Es wird beispielsweise als Auffälligkeit angezeigt, dass das Arbeitsverhältnis auf Wunsch des Arbeitnehmers beendet wurde, was der Wahrheit entspricht. Was soll ich hier genau machen? Auch die „fehlende Dankes- und Bedauerungsformel“ ist da. Komisch.

Es folgt eine Vergleichstabelle, wie die Inhalte im Vergleich zum Durchschnitt vorhanden sind. Erst hier fällt mir auf, dass die Unternehmensbeschreibung bei meinem Beispielszeugnis laut Zeugnisanalyse fehlt („0%“). Und sie fehlt tatsächlich. Sowas.

Bei meinem zweiten Zeugnis, dass ich teste ist die Beschreibung im Original aber vorhanden und der Wert ist ebenfalls bei 0%. Irgendwie wird das hier nicht erkannt.

Nachdem ich den ersten Schock über eine 2,8 und dem rot aufblinkenden Hinweis, wie schlecht mein Englisch war, überwunden habe scroll ich mal runter. In den Verbesserungsvorschlägen fällt mir sofort auf, dass alle Bewertungen zwischen Sie/Frau und Er/Herr hin- und herspringt. Unschön.

Bewertungen sind immer relativ

Bei den Verbesserungsvorschlägen zu den schlechten Sätzen muss ich mich erstmal etwas zurechtfinden. Um bei meinem Beispiel zu bleiben. Es wurden mir schlechte Englischkenntnisse attestiert. Als Vorschlag wird angezeigt „besitzt umfassendes und hervorragendes Fachwissen…“ (Note 1).

Spielraum ist ja immer, aber der Kontrast ist mir persönlich jetzt zu stark. Es gibt eine Abstufung nach Noten von 1 bis 3 zum Einstellen. Die Sätze werden dann je nach Einstellung angezeigt.

Wie ist das das in der Praxis anwendbar? Die mir milder erscheinende Formulierung kann ich hier rausziehen und dem Zeugnisersteller dann vorschlagen? Aber ob sie oder er sich von seiner Meinung damit abbringen lässt? Fraglich.

Einige mit der Zeugniserstellung betraute erstellen Arbeitszeugnisse ja noch mit viel Emotionen. Und machen sich Luft über z.B. den Weggang des Mitarbeiters. Von Rechthabern mal ganz abgesehen.

Hilfreiche Infos: unten ist das neue oben

Ganz unten wird dann nochmal auf die nicht eindeutige Zuordnung und Interpretationen von Arbeitszeugnissen eingegangen. Genau richtig. Würde mir als Nutzerin aber eher oben schon als Einleitung helfen, um die Ergebnisse schon vorab etwas zu relativieren.

Am Seitenende stehen dann noch einige Fragen wie „Wie ist es zu der Benotung gekommen“, hinter denen sich noch Erläuterungstexte befinden. Hier sind schöne Empfehlungen, was du jetzt tun kannst, sollte dein Zeugnis zu schlecht sein. Gut.

Ok, und was gibt’s noch?

Ich schau mich nochmal um, was ich noch machen kann. Ich lade mir das mal herunter, aber leider ist es nicht vollständig. Hier muss noch nachgebessert werden. Auch das zweite Zeugnis ist als PDF unvollständig.

Im Menü stoße ich oben noch auf einen Zeugnisgenerator, der mir aus Bausteinen und Benotungen ein hübsches Zeugnis bastelt. Ein nettes Extra. In meinem persönlichen Profil werden meine Analysen gespeichert.

Dann glaube ich habe ich alles entdeckt.

Fazit

Zeugnisprofi.com ist eine aufgeräumte Seite, die einen schnellen Einstieg ermöglicht, aber hier und da noch an ein paar Feinheiten schleifen kann. Nicht alles wurde exakt erkannt und bewertet bzw. zugeordnet. Trotzdem hat die KI-gestützte Zeugnisbeurteilung für mich überraschend gut funktioniert.

Sowohl für den privaten Anwender als auch im Businessbereich ist eine professionelle Anwendung umgesetzt worden. Es hat wirklich Spaß gemacht, meine Zeugnisse „auseinanderzunehmen“ und die Ergebnisse empfand ich als solide.

Auch wenn du nicht so ein HR-Spinner bist wie ich, können die Hinweise und Kategorien gut verstanden werden. Optisch könnte sich hier und da noch etwas gespielt werden. Aber das ist echt schon, wie wenn man das Haar in der Suppe sucht.

Eine sinnvolle Dienstleistung, hinter der einiges an Programmierarbeit und HR-Knowhow steckt. Den Preis von ca. 10 Euro für eine Analyse finde ich aufgrund der vielen Infos, die du bekommst, echt angemessen. Zumal das man ja nicht alle 14 Tage braucht als Privatperson. Außerdem braucht’s kein nerviges Abo oder so. Du bekommst, was versprochen wurde.

Setzt du dich etwas mit dem Inhalt auseinander, kannst du echt ein brauchbares Zeugnis erkennen und/oder gestalten. Die „Flat“ für Unternehmen kann eine echte Alltagshilfe sein. Auch Personaler sind bei all dem Floskelgedöns ja auch nie ganz neutral.

Ich war sicher nicht das letzte Mal auf zeugnisprofi.com. Ich bin gespannt, was uns hier in Sachen KI-gesteuerte Arbeitshilfen noch so alles erwartet!

Hast du mit dem Anbieter schon Erfahrungen gemacht? Oder so ein ähnliches Produkt in Gebrauch? Würde mich interessieren, was du so darüber denkst.

🍬 Für dich ein nice to have

Steht bei dir ein Jobwechsel an oder bist du einfach so neugierig geworden, wie dich deine Arbeitgeber bisher so beurteilt haben?

Freundlicherweise wurde mir für meine Community ein Code zur Verfügung gestellt, der dir 10% beim Nutzen vom Zeugnisprofi erspart. Benutze dazu den Code hrliebtdich007 – für deine „Zeugnisspionage“.

Aber nicht vergessen, mir danach deine Meinung mitzuteilen! Entweder hier, per Mail, Instagram oder Facebook! Ich freue mich, von dir zu hören!

verlingo jessica_reiner

Deine Jessica

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Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. dav

    Danke für den Tipp, das sehe ich mir genauer an, da das Thema bei mir grad aktuell ist. Liebe Grüße aus München, dav

    1. Jessica

      Hallo dav, na das ist ja ein Timing! Wenn du Fragen hast zu deinem Zeugnis, kannst du mir gerne schreiben, vielleicht habe ich ja noch eine alltagstaugliche Idee! Viel Spaß und bleib gesund 😷!

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